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17.03.2025
12:31 Uhr

Rentenpolitik am Abgrund: Börsen-Chef präsentiert naive Lösung für Deutschlands Rentenkrise

In einem bemerkenswerten Anflug von Realitätsverlust glaubt der neue Chef der Deutschen Börse, Stephan Leithner, das komplexe deutsche Rentenproblem mit einem simplen Taschenspielertrick lösen zu können. Seine vermeintlich geniale Idee: Der Staat solle jedem Neugeborenen 4000 Euro in die Wiege legen. Damit, so seine kühne These, wäre das Rentenproblem "für Generationen gelöst". Ein klassischer Fall von Wunschdenken fernab jeder ökonomischen Realität.

Die märchenhafte Rechnung des Börsenchefs

Leithners Zahlenspiel klingt zunächst verlockend: Bei einer jährlichen Rendite von sieben Prozent würden aus den anfänglichen 4000 Euro bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren stattliche 370.000 Euro. Das ergäbe eine monatliche Rente von etwa 1240 Euro - wohlgemerkt in heutiger Kaufkraft. Doch wie so oft steckt der Teufel im Detail, und die scheinbar brillante Lösung entpuppt sich bei näherer Betrachtung als gefährliche Milchmädchenrechnung.

Realitätsferne Traumtänzerei statt nachhaltiger Reform

Besonders irritierend ist die zeitliche Dimension: Der Vorschlag würde frühestens in 67 Jahren erste Wirkung zeigen. Die akuten Probleme unseres Rentensystems, insbesondere die dramatischen Auswirkungen des demographischen Wandels durch die in Rente gehende Babyboomer-Generation, bleiben dabei völlig unberücksichtigt. Es ist bezeichnend für die aktuelle politische Führungsriege, dass solch kurzsichtige Konzepte überhaupt ernsthaft diskutiert werden.

Inflation und Börsenrisiken: Die verschwiegenen Gefahren

Während Leithner großzügig mit einer siebenprozentigen Rendite kalkuliert, unterschlägt er geflissentlich die Auswirkungen der Inflation. Bei einer realistischeren Betrachtung mit zwei Prozent Inflation schmilzt die versprochene Monatsrente auf magere 660 Euro zusammen. Noch dramatischer wird es bei einem möglichen Börsencrash kurz vor dem Renteneintritt - ein Szenario, das der Börsenchef mit einem lapidaren "Kann sein" abtut.

Soziale Ungleichheit vorprogrammiert

Besonders problematisch ist die Frage der Vermögensverwaltung. Überlässt man die Anlageentscheidungen den Eltern, werden Kinder aus bildungsfernen oder einkommensschwachen Familien systematisch benachteiligt. Die Alternative eines staatlich verwalteten Fonds erinnert fatal an sozialistische Planwirtschaft - ein Modell, dessen Scheitern wir bereits zur Genüge erlebt haben.

Fazit: Symbolpolitik statt echter Lösungen

Der Vorschlag des Börsenchefs reiht sich nahtlos ein in die lange Liste politischer Scheinlösungen für das deutsche Rentenproblem. Statt echter Reformen werden Luftschlösser gebaut, während die grundlegenden Probleme unseres Rentensystems - von der demographischen Entwicklung bis zur ausufernden Umverteilung - weiter ignoriert werden. Deutschland braucht keine wohlklingenden Theorien, sondern durchdachte, marktwirtschaftliche Lösungen für eine nachhaltige Altersvorsorge.

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